Die Free / Open Source Community trauert um Obri

Obri, Mitgründer der SyGroup, aktives CCC-Mitglied, kreativer Denker, Bastler, Freund, Vorbild und engagierter Helfer an vielen Anlässen der Community, ist am 28. Mai viel zu früh von uns gegangen.

 

 

Bei der SyGroup gehörten wir zu den Pionieren der F/OSS-Bewegung in der Schweiz. Bei vielen wichtigen Meilensteinen, welche für die Durchdringung von Open Source in der Schweiz nötig waren, hatte die SyGroup ihre Finger im Spiel. Eine prägende Persönlichkeit dabei war Obri, der als Gründer, technischer Vordenker und insbesondere mit seiner fachlichen Brillanz massgeblich zum Erfolg vieler Projekte beigetragen hat.

Mit deinem Schaffen warst du ein Wegbereiter für die Idee und die Verbreitung von freier Software in der Schweiz.

Die unerwartete und tragische Nachricht über den Tod unseres Freundes hat uns stark getroffen und hinterlässt uns in grosser Trauer. Wir waren nicht auf einen solchen Schicksalsschlag vorbereitet und versuchen, unseren Schmerz mit den schönen Erinnerungen, die wir alle an dich haben, zu lindern. Das Schicksal ist manchmal ungerecht und uns bleibt nichts anderes übrig,

als uns bei dir für deinen Einsatz, deinen Mut, deine Aufrichtigkeit und deine Fröhlichkeit zu bedanken.

“Ich lernte Obri Anfang der Nullerjahre im Rahmen eines Linux User Group Grill Events kennen und in den folgenden Jahren sehr schätzen. Seine Beschreibungen von dem, was er beruflich machte, faszinierten mich – doch hatte “seine” Firma entweder keinen Platz oder ich war bereits in einer tollen Stelle zuhause. Es freute mich umso mehr, dass ich vor knapp zwei Jahren in der Adfinis beginnen durfte. Wir hatten einige Berührungspunkte in Projekten und er war einer derjenigen, dessen Telefonanruf ich auch zu kompletten Unzeiten entgegennahm. Unser Austausch war jeweils herzlich und auf hohem technischen Niveau, wir verstanden und respektierten uns gegenseitig. Noch am Freitagabend, vor dem tragischen Schicksalstag, durfte ich mit ihm plaudern und behalte seinen Humor in bester Erinnerung.”

“Wie so mancher langjähriger Linuxler sah Obri viele moderne Entwicklungen mit einer grossen Skepsis – die Zeit des Bastelns und Tüftelns ist vorbei und wurde durch Bürokratie und nicht immer nachvollziehbare Best Practises ersetzt. Oft sprach er davon, die IT aufzugeben und Schafe zu züchten. Ich weiss, dass der Ort, an dem er jetzt ist, ihm gefallen wird – seien es Schafe, die über weisse Wölkchen hüpfen oder ein endloser Bastelkeller, in dem er sich für die Verwaltung der Himmelspforte vertun darf…”

“Als Junior System Engineer hat mich Obri nicht nur einmal bis tief in die Nacht dabei unterstützt, ein brenzliges Problem zu beheben. Oftmals kam die Lösung dann innert Minuten, nachdem man die Verpflegung für den Abend sichergestellt hatte.”

“Egal welche Probleme ich zu lösen hatte und nicht vorankam, Obri wusste immer zu helfen. Sogar bei ungeliebten Themen wie Windows bzw. Microsoft konnte er Hand anbieten. Zuvorkommend, immer hilfsbereit und loyal, so kenne ich den Obri. Einzig mit leerem Magen und vor/während dem Chaos-Treff (Dienstags) brauchte es mehr Überredungskünste ihn bei Laune zu halten. Wusste Obri mal nicht weiter, so half ihm seine Glaskugel doch immer eine Lösung zu finden.”

“Als Obri mich zum ersten Mal angerufen hat, um meine Meinung zu einem Thema einzuholen, war das für mich als Quereinsteiger wie der Ritterschlag als System Engineer und hat mein Vertrauen in meine Arbeit gestärkt. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar! Wenn Obri anrief, wusste ich immer, dass er selber gerade an einem kniffligen Problem sitzt und ich mir jetzt die Zeit für ihn nehme, da ich ihm helfen kann und dabei selber wieder in die Untiefen eines ganz spezifischen Problems abtauchen darf. Let’s see how deep this rabbithole goes! Stay curious and tinker on!”

“Obri du warst zurückhaltend, hast dich nicht in den Vordergrund gestellt, du warst ein guter Beobachter und hast uns in vielen kniffligen Momenten mit unermüdlichen Einsätzen und deinem langjährigen KnowHow geholfen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Aufgeblüht bist du in deinem Hausumbau und hast dir so einen grossen Wunsch erfüllt: deine vier Wände, worin du dich wohl gefühlt hast. Deine Einsätze mit dem Camper werde ich nie vergessen, genau solche Momente haben dich aus dem Team herausgehoben. Du lebtest dein Leben und hast dich nicht von der Aussenwelt beeinflussen lassen.”

“Gemeinsam haben wir viele Kundenbesuche und Projekte gestemmt, kaputte Systeme geflickt sowie über Trends und Technologien diskutiert und philosophiert. Mit deiner Erfahrung und deiner Passion für offene Systeme hast du dafür gesorgt, dass wir unsere Ziele nicht aus den Augen verlieren und die Ideale der F/OSS-Bewegung in unserem Team hochgehalten werden.”

“Obri schrieb 2004 «Wer sucht einen Job? Wir brauchen Leute» in den LUGS IRC Channel. Obri war Operator in #lugs und ich kannte ihn nur als einer der sehr fähigen Linuxer. “Ich”, schrieb ich zurück, gerade fertig mit der Informatikerlehre und so begann meine Reise mit Obri und der SyGroup vor 16 Jahren. Viele Jahre bildeten Obri und ich den Backbone unserer Pikettorganisation, 24h am Tag und 365 Tage im Jahr, jederzeit bereit für unsere Kunden. “Nein”, hiess die Begrüssung, wenn ich Obri mitten in der Nacht anrufen musste. Nach kurzer Absprache ging es aber immer an die Arbeit. Sein Gespür bei der Fehlersuche war bis heute legendär.”

“Wenn ich vor einem unlösbaren Problem stand, konnte ich dich um Rat fragen und immer konntest du mir erfolgreich aus der Patsche helfen. Ich hoffe, dass an dem Ort, an welchem du jetzt bist, nicht mehr “alles kaputt” ist. Obwohl ich öfters das Gefühl hatte, dass du genau das eigentlich gebraucht hast.”

“Trotz seiner eher zurückhaltenden Art trug Obri häufig dazu bei, den Arbeitsalltag aufzuheitern, sei es, in dem er das ganze Büro mit überdimensionierten Enter-Tasten versorgte, oder durch eine seiner vielen Basteleien, wie sein grosser roter Knopf, der zufällige Soundclips abspielt.”

Ungeduldig ist er jeweils für den Badge angestanden, er konnte mit Bürokratie nicht viel anfangen. Er wollte etwas bewegen, die Sache vorwärtsbringen. Mit deiner ruhigen, überlegten Art hast du die Probleme analysiert, mit Geduld deine Lösungen erklärt, immer warst du hilfsbereit und dein trockener Humor ist mir noch immer in Erinnerung. Du hast uns weitergebracht, nicht nur im Projekt. Mit deiner Art hast du eine Basis für eine Zusammenarbeit geschaffen, die die Meilensteine überdauert hat. “Yo do beni, was get’s z’due?””

Wir werden dich, unseren geliebten Freund, Bastler, Hacker und F/OSS Fürsprecher nie vergessen, deine Ideale weiter leben lassen und stets bemüht sein, dein Lebenswerk zu bewahren und eine laute und gewichtige Stimme für Open Source in der Schweiz und über die Grenzen hinaus bleiben. Ruhe in Frieden.

So long, and thanks for all the fish!